Gesundheitsthemen

Ernährungsmedizin

Ernährungsmedizin

Man ist, was man isst. Doch: Was soll man essen? Und wie viel davon? Und wann? Die Antworten sind nicht einfach. Schließlich können Menschen sowohl in der gemüsefreien Arktis als auch in der kargen Sahelzone mit den vor Ort verfügbaren Nahrungsmitteln überleben. Der alteingesessene Bayer, der von Kindesbeinen an am liebsten Schweinebraten mit Knödeln verzehrt, leidet unter Umständen ebenso wenig unter Mangelerscheinungen wie der dogmatische Rohkostfan, dessen Speisekarte vor allem aus Obst und Gemüse besteht. Was die Ernährung angeht, scheint der Mensch also sehr flexibel zu sein. Oft geht es um den von Paracelsus festgeschriebenen Grundsatz: Die Dosis macht das Gift. Simple Erklärungen hat die Ernährungsmedizin trotzdem nicht zu bieten – in welche Richtung der Weg geht, weiß sie aber sehr wohl. Bildquelle: j.chizhe/Shutterstock.com

Kaffee lässt Cholesterin ansteigen

Kaffee lässt Cholesterin ansteigen
Kaffee aus der Pressstempelkanne hat den größten Einfluss auf die Cholesterinwerte.

Wer mit seinen Cholesterinwerten kämpft, sollte sich beim Kaffee zurückhalten – und sich bewusst für eine Zubereitungsmethode entscheiden. Denn es macht durchaus einen Unterschied, ob man einen Espresso, French Press oder Filterkaffee genießt.

Cafestol und Kahweol

Kaffeetrinken kann das Cholesterin im Blut erhöhen, das ist schon länger bekannt. Verantwortlich dafür sind die Inhaltsstoffe Cafestol und Kahweol. Diese beiden Diterpene aus der Kaffeefrucht hemmen Enzyme, die in der Leber für den Abbau von Cholesterin erforderlich sind.

Wie stark sich der cholesterinsteigernde Effekt auswirkt, hängt offenbar von der Brühmethode ab – und wer den Trunk zu sich nimmt. Das hat eine norwegische Studie mithilfe von über 21.000 Kaffeetrinker*innen herausgefunden. Diejenigen, die täglich drei bis fünf Tassen Espresso tranken, hatten signifikant höhere Gesamtcholesterinwerte im Blut als die Espresso-freien Teilnehmer*innen. Bei Frauen betrug der Unterschied 0,09 mmol/l, bei Männern 0,16 mmol/l.

French Press wirkt am stärksten Der Genuss von Kaffee aus der Presstempelkanne („French Press“) schlug mit einer noch höheren Cholesterinsteigerung zu Buche. Sechs oder mehr Tassen täglich steigerten die Blutspiegel um durchschnittlich 0,3 mmol/l (Frauen) und 0,23 mmol/l (Männer).

Filterkaffee hatte dagegen nur bei Frauen einen Einfluss auf die Cholesterinwerte. Mehr als sechs Tassen ließen den Blutspiegel um durchschnittlich 0,11 mmol/l ansteigen. Für Männer wurde kein Zusammenhang mit einer Cholesterinerhöhung und Filterkaffeekonsum nachgewiesen.Die Forscher*innen untersuchten auch die Auswirkungen von löslichem Kaffee auf das Cholesterin. Hier war zwar ein Trend, aber kein deutlicher Zusammenhang erkennbar.

Quelle: BMJ open heart

22.06.2022 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: Brastock/shutterstock.com